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Wie sieht der Klimawandel eigentlich aus? Und was bedeutet es, wenn Jahr um Jahr mehr Gletscher verschwinden? Ehrliche Antworten auf diese Fragen lassen sich nur selten im Klassenraum finden.
In der ersten Woche der Sommerferien machten sich deshalb zehn Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 9 bis 12 selbst auf den Weg: Gemeinsam mit Frau Harz, Herrn Siedler und Herrn Wolak als Fachkundigen ging es für fünf Tage in die Stubaier Alpen.

Organisiert wurde die Bildungsfahrt vom Klimaschulteam unserer Schule in Kooperation mit der Sektion Leipzig des DAV. Im Mittelpunkt standen neben dem gemeinsamen Bergerlebnis vor allem die Auswirkungen von Skitourismus und Gletscherrückgang auf das artenreiche Ökosystem der Alpen sowie aktuelle Herausforderungen des Alpinismus. Bereits bei der Vorbereitung wurde deutlich, dass die Tour mehr als eine gewöhnliche Klassenfahrt werden sollte: Eine Probewanderung, gemeinsames Probepacken und weitere Vorbereitungen gehörten ebenso dazu wie die obligatorische, möglichst klimafreundliche An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Von der Talstation der Eisgratbahn am Stubaier Gletscher führte der erste Aufstieg zur Dresdner Hütte. Schon unterwegs konnten wir beobachten, wie sich Temperatur und Vegetation mit zunehmender Höhe veränderten, und an der Hütte angelangt zeigten sich eindrücklich die Folgen des kompromisslosen Skibetriebs der Region. Am nächsten Tag ging es über das Peiljoch zur Sulzenauhütte. Der anspruchsvolle Aufstieg wurde mit beeindruckenden Ausblicken auf den Sulzenauferner und dessen Gletschersee belohnt. Beim Abstieg durch die von Gletschern geprägte Moränenlandschaft erfuhren wir dank Herrn Wolak noch einiges über die Entstehung der alpinen Landschaft durch Prozesse der glazialen Erosion und Sedimentation.

Die Sulzenauhütte war nun drei Tage lang unser Ausgangspunkt für verschiedene Aktivitäten. Gemeinsam mit einem DAV-Trainer wanderten wir über den Gletscherlehrpfad zur Fernerstube, wobei wir anhand der Seitenmoränen eindrücklich nachvollziehen konnten, wie weit sich der Gletscher in wenigen Jahrzehnte zurückgezogen hat. Somit wurde der Klimawandel vom abstrakten Unterrichtsthema zu etwas, das plötzlich greifbar nah war.

Auch abseits der Wanderungen gab es viele spannende Programmpunkte: Eine Führung und ein Interview mit dem Hüttenwirt ermöglichten Einblicke in Leben und Geschichte der Hütte sowie aktuelle Herausforderungen des Klimawandels: Wie wird Energie gewonnen? Wie wirken sich der Rückgang von Gletschern und Schmelzwasser darauf aus? Welche Alternativen zur Wasserkraft sind denkbar?

Bei Hilfsarbeiten unterstützten wir zudem das Hüttenteam, während eine kleinere Gruppe Wegmarkierungen erneuerte, und am Abend vertieften wir das Gelernte bei einem von Schülerinnen und Schülern erstellten Quiz über Gletscher und Gletschertourismus. Anschließend sahen wir den Dokumentarfilm „Requiem in Weiß“ und diskutierten noch lange über den Klimawandel und unsere Eindrücke der vergangenen Tage.

Eine besondere Herausforderung erwartete uns auf dem Weg über die Mairspitze zur Nürnberger Hütte. Alpine Wege, Teamgeist und beeindruckende Ausblicke machten diese Etappe zu einem weiteren Höhepunkt der Tour. Nach einem gemütlichen letzten Hüttenabend verging der Abstieg ins Tal am nächsten Morgen erstaunlich schnell, und spätestens im Zug zurück machte sich auch bei den Letzten die Wehmut breit.

Eine außergewöhnliche und erlebnisreiche Woche ging zu Ende. Geblieben sind jedoch weit mehr als schöne Erinnerungen: Wir lernten einander von neuen Seiten kennen, schlossen Freundschaften und wuchsen als Gruppe zusammen. Gleichzeitig erfuhren wir viel über das fragile Ökosystem der Alpen und die drastischen Folgen des anthropogenen Klimawandels – weit mehr, als es in einer Woche Unterricht möglich gewesen wäre.