Schlussbericht
der Teilnehmer am
ARION-Studienaufenthalt in Dresden
vom 18. bis 23. April 2004-04-22
| Teilnehmer: |
5 aus Polen, 1 aus Großbritannien, 1 aus Tschechien, 1 aus Spanien,
1 aus Holland und 1 aus Österreich |
Sonntag,
18.04.
Bei einem gemeinsamen Abendessen wurden wir von den Veranstaltern des
Studienaufenthaltes vom Comenius-Institut in Dresden, Frau Sannert, Frau
Pietsch, Frau Adler, Frau Thiersch und Herrn Bechstädt sehr herzlich
begrüßt. In lockerer Atmosphäre stellten wir uns kurz vor
und besprachen das Programm der kommenden Woche. Auf Grund der hervorragenden
Website waren wir schon sehr gut und ausführlich aufeinander und auf
das was uns in dieser Woche bevorstand vorbereitet.
Montag,
19.04.
Im Kultusministerium wurden wir von Frau Dr. Tischer, die Referatsleiterin
für Grundsatzangelegenheiten des Bildungswesens in Sachsen, mit der
Entwicklung des sächsischen Bildungssystems bzw. der damit verbundenen
Probleme vertraut gemacht. Schwerpunkte des Vortrages waren:
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Reform der Lehrpläne |
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Verbesserung der Schuleingangsphase |
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Neues Schulgesetz |
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Mehr Eigenverantwortung für die Einzelschule |
Als typisches Problem für Sachsen stellte sich dabei auch die sinkende
Schülerzahl heraus.
Nach dem Mittagessen machten wir bei leider sehr schlechtem Wetter eine
Stadtrundfahrt um die Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt zumindest
visuell zu erkunden. Abschluss des Nachmittages war eine eindrucksvolle
Führung durch die sich derzeit in Renovierung befindliche Unterkirche
der evangelischen Frauenkirche.
Dienstag,
20.04.
Nach der Begrüßung durch die Direktorin und einem gemeinsamen
Frühstück an der Goethe-Mittelschule in Pirna hospitierten wir
in verschiedenen Unterrichtseinheiten in den Fächern Englisch, Musik
und Wirtschaft-Technik-Haushalt sowie den neu eingeführten Neigungskursen
Geschichte (Archäologie) und Sport. Im Anschuss daran wurden wir von
Frau Pietsch und Herrn Bechstädt über die Qualitätsentwicklung
in den neuen Lehrplänen, speziell im neuen Fach Wirtschaft-Technik-Haushalt
und der Neigungskurse informiert.
Sehr beeindruckt waren wir auch davon wie schnell die Schule nach den
verheerenden Auswirkungen der Flutkatastrophe im Jahr 2002 wieder in Stand
gesetzt wurde.
Nach dem Mittagessen machte uns Frau Wolff, Leiterin der Projektgruppe
Lehrplanarbeit am Comenius-Institut, mit der Philosophie der neuen
sächsischen Lehrpläne bekannt. Zwei Steuerelemente prägen
die Entwicklung des Bildungssystems: auf Länderebene die Reform der
Lehrpläne und auf Bundesebene die Bildungsstandards.
Ausklang des Tages bildeten eine Fahrt zur weltberühmten Bastei in der
Sächsischen Schweiz und ein Abendessen im dortigen Panoramahotel.
Mittwoch,
21.04.
Ein engagierter und begeisteter Schulleiter, Herr Dr. Esser, stellte uns
seine Schule, das Landesgymnasium St. Afra in Meißen, eine Eliteschule
mit angeschlossenem Internat, vor. Mit Hochspannung erwarteten wir die
angekündigte Hospitation. Zum Leidwesen aller Teilnehmer musste dieser
Programmpunkt auf Grund mangelnden Zeitmanagements ausfallen. Eine kleine
Entschädigung dafür bildete die Führung in Schule und Internat
durch zwei sehr gut vorbereitete Schülerinnen dieser bemerkenswerten
Bildungseinrichtung.
Nach dem Mittagessen in der Mensa sprach Dr. Hache, einem Referenten des
CI, über die Möglichkeiten der Begabtenförderung an den
sächsischen Gymnasien. Neben St. Afra gibt es 23 Gymnasien mit vertiefter
Ausbildung in mathematisch-naturwissenschaftlichen, musischen, sportlichen
und sprachlichen Bereichen.
Anschließend führte uns Frau Stenke im Schloss Sieben Eichen,
der Sächsischen Akademie für Lehrerfortbildung, in die Schwerpunkte
der sächsischen Fortbildungskonzeption ein. In erster Linie werden
Fortbildungskurse für Schulleiter und Multiplikatoren veranstaltet.
Neu sind Beratungs- und Supervisorteams die an den Schulen vor Ort direkt
Unterstützung in pädagogischen Belangen möglich machen. Sehr
interessant und aufschlussreich war die nebenbei geführte Diskussion
über die Organisation der Lehrerfortbildung in den verschiedenen
Ländern der Teilnehmer.
Donnerstag,
22.04.
Wir waren Gäste am Romain-Rolland-Gymnasium in Dresden, die einzige
Dresdner Schule mit bilingualer Französisch-Ausbildung. Nach einem
einführenden Referat durch den Schulleiter und dessen Stellvertreterin
durften wir Unterrichtsstunden in Spanisch, Englisch und Französisch
mitverfolgen. Das Niveau der Schüler und das Engagement der Lehrer machte
auf uns einen unvergesslichen Eindruck. Wir stellten fest, dass die Fremdsprachen
sehr lebendig und methodisch-didaktisch hervorragend aufbereitet an die
Schüler herangebracht werden. Durch den Einsatz von Sprachassistenten,
zahlreichen Kontakten mit ausländischen Schulen und Sprachaufenthalten
wird das Konzept der sprachlichen Vertiefung ergänzt.
Frau Adler vom CI gab uns im Anschluss an die Hospitationen einen
Gesamtüberblick über den Fremdsprachenunterricht an sächsischen
Grund-, Mittelschulen und Gymnasien. Sie berichtete ausführlich über
die fachlichen Ziele für Englisch an der Grundschule sowie für
alle Fremdsprachen an weiterführenden Schulen. Ihre Bemerkungen über
die Entwicklung des sächsischen und eines europäischen Sprachportfolios
stieß auf großes Interesse unter uns Teilnehmern.
Freitag,
23.04.
Endlich durften wir das Comenius-Institut in Radebeul, die Wirkungsstätte
unserer Betreuer und Referenten kennen lernen. Frau Sannert führte uns
durchs Gebäude, berichtete über die Aufgaben des Instituts und
stellte uns das Organigramm vor.
Wir besuchten die Bibliothek, die sich in drei wesentliche Bereiche gliedert:
Pädagogik, alle approbierten Schulbücher in Sachsen und alle
bundesweiten Lehrpläne.
Frau Dr. Jokubeit und Herr Seifert berichteten ausführlich über
BLK-Modellversuche in Sachsen. Zwei Beispiele wurden vorgestellt: SULIM (=
Schul- und Lernkultur im Medienzeitalter) und SUD (= Schulleben und Unterricht
demokratisch gestalten).
Hervorzuheben ist die Zusage Frau Jokubeits, allen Teilnehmern die in Kürze
erscheinende CD-ROM über Selbstevaluation nachzusenden.
In einer Schlussrunde dankten alle Teilnehmer dem CI, seinen ReferentInnen
und im Besonderen Frau Sannert für die vorzügliche Organisation
und die hervorragende Betreunung während unseres Aufenthaltes in Dresden.
Ergänzung:
An drei Tagen während dieser Woche hatten wir Gelegenheit uns über
die Bildungssysteme der Teilnehmerländer und ihrer spezifischen
Besonderheiten zu informieren. Dabei ergaben sich zum Teil sehr interessante
Diskussionen. Viele, viele Fragen wurden aufgeworfen und verschiedenste Themen
kamen zur Sprache und nicht alles konnte in dieser kurzen Woche ausreichend
genug ausdiskutiert werden.
An dieser Stelle möchten wir auch unseren Gastgebern für ihre
aufmerksame Betreuung und die hervorragende Organisation danken. Dieser
ARION-Besuch hat unseren pädagogischen Horizont erweitert und die
europäische Dimension unserer Arbeit verstärkt.
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