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10.08.2020
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„Blut muss fließen“ – Ein Film, der warnt

Filmvorführung und Diskussion mit dem Regisseur Peter Ohlendorf

Ein schweres Atmen durchbricht den Rhythmus der schnellen Schritte, die pixelartige Sicht der Kamera schwenkt von den Schuhen immer wieder zu der mit schwachen Laternen beleuchteten, nächtlichen Umgebung. Dann zeigen die wackeligen Aufnahmen den Eintritt in eine noch dunklere Halle voller Menschen, Musik wird lauter und der Blick zur Bühne wird frei. Anscheinend ein Heavy Metal-Konzert, doch als der Text eingeblendet wird, ist klar, das ist nicht irgendeine offizielle Veranstaltung. Das ist ein Neonazi-Konzert mitten in der Nacht.

Am Dienstag, dem 29.10.2019 wurde in unserer Schule der Film „Blut muss fließen“- Undercover unter Nazis (2012) den 10., 11., und 12. Klassen gezeigt.

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Der Regisseur Peter Ohlendorf war an diesem Tag Gast an der Humboldtschule und stellte sich im Anschluss an die Filmvorführungen den Fragen der Schüler. Dabei trug er dasselbe auffällige, gelbe Sakko wie der Journalist Thomas Kuban, welcher neun Jahre lang mit versteckter Kamera Aufnahmen von über 50 Neonazi-Konzerten anfertigte.

Kuban zeigt einen schnellen, irritierenden Wechsel zwischen Rechtsrockkonzerten mit menschenverachtenden Texten und Pressekonferenzen mit dem damaligen Bundesinnenminister Schäuble. Geheimakten und Spezialeinheit-Ausbildung brauchte Kuban nicht, um die Konzerte zu finden. Er fährt mit Bomberjacke und schwarzen Schnürstiefeln zu Checkpoints an Tankstellen, um zur geheimen Konzerthalle zu kommen, richtet auf dem Klo sein Aufnahmegerät unter der Jacke und versucht mit der Knopflochkamera einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Im nächsten Moment sitzt der Journalist im gelben Sakko, Sonnenbrille und Perücke vor dem Bundesinnenminister. Seitdem er die Aufnahmen der Konzerte im Fernsehen ausstrahlen ließ, kann sich Kuban aufgrund der Morddrohungen nur noch in dieser 2.Identität zeigen.
Der Politiker vor ihm scheint jedoch nicht dasselbe zu sehen wie er durch die Sonnenbrille. Die Polizei im Saal, alle zeigen den Hitlergruß zu Texten wie „Blut muss fließen…“ und Schlimmerem. Was Kunst sei und was Straftaten seien, wäre für die Polizei schwer zu unterscheiden, so der bayerische Innenminister Beckstein.

Während Kuban immer mehr Facetten der Naziszene zeigt, stellt sich einem die Frage: Wie kann all dies überhaupt möglich sein? Wie weit kamen diese Menschen und wie lang sind bereits die Arme dieser Bewegung? Es scheint surreal, wie diese Gestalten auch im öffentlichen Leben existieren. Doch im Film wird immer wieder davon berichtet, wie die Szene mit Hilfe von Rechtsrock die Jugend für sich gewinnt.

Der Film mag zeitlich (zuerst gezeigt auf der Berlinale 2012) und räumlich noch so entfernt wirken, doch die Mehrheit der Konzerte fanden im ländlichen Sachsen statt. Rechtsextremismus ist eine zunehmende, nahe Gefahr. Eine Bewegung, dessen Aufstieg aus dem Untergrund viele mit Erschrecken beobachten, während andere angestrengt wegschauen. Es muss eingegriffen werden, solange es noch geht und Filme wie dieser erinnern nicht nur daran, sondern fordern, appellieren und rufen geradezu nach Reaktionen.

Euer SOR-Team

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