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Jugend schreibt

03/04
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Artikel wurde erstellt: 12.01.2004
Erschienen in der F.A.Z am 15.12.2003 Die Thomaskirche zu Leipzig von Katja Harder

Im letzten Schuljahr endete auch das Projekt "Jugend schreibt" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für einige unserer Schülerinnen überaus erfolgreich. Reportagen von Christin Weißenborn, Nadine Schwendler und Sandra Eisenhut erschienen in der bundesweit verteilten Projektzeitung (Auflage 4000 Exemplare). Sie schrieben über afrikanische Studenten in Leipzig,    das Grimmaer Gymnasium St. Augustin im Jahr nach der Flut, den Alltag der Thomaner, zweisprachig aufwachsende Kinder und die Arbeit eines "Ver- und Entsorgers" im Leipziger Kanalsystem. Die Reportage über die Thomaskirche von Katja Harder wurde sogar in der F.A.Z. (15.12.2003) veröffentlicht und erreichte so ca. 1 Million Leser. Alle diese Reportagen hatten die Qualität, den hohen Ansprüchen der überregionalen Zeitung zu genügen. Weitere Informationen unter www.izop.de.

Die Thomaskirche zu Leipzig - ein Ort des Glaubens, des Geistes und der Musik, gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten in Deutschland. Sie ist nicht nur ein Gebäude im Zentrum der Stadt Leipzig, welches täglich von 9.00 - 18.00 Uhr für jedermann offen steht, sondern auch eine Kirche, in der sich jeden Samstag ca. 1500 Menschen zur Motette einfinden. Seit fast 800 Jahren ist die Kirche außerdem die Heimat des 1212 gegründeten und weltberühmten Thomanerchores, der zu den ältesten Chören der Welt gehört. Dieser Chor ist auch bei den Motetten, Kantaten und den sonntäglichen Gottesdiensten ein fester Bestandteil. Die Thomaskirche erhielt vor allem durch Johann Sebastian Bach eine bis heute spürbare Prägung. Johann Sebastian Bach wirkte hier von 1723 - 30 als "Director musices" und Kantor. So erklangen viele Oratorien, Kantaten und Passionen von Bach zum ersten Mal in dieser Kirche. Was aber nicht heißt, dass in ihr nur Musik von Bach erklingt. Auch Musik von der Renaissance bis zur Moderne ist vertreten. Sogar Jazz ist ab und zu zu hören, so findet im Januar nächsten Jahres auch ein Jazzgottesdienst statt. Die Kirche ist aber vor allem die Heimat der Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Thomas zu Leipzig. "Zur Zeit gehören ca. 3200 Menschen zur Gemeinde" beschreibt der 53 jährige Pfarrer Christian Wolff die derzeitige Situation.

"Deshalb müssen wir immer einen Ausgleich zwischen den Erwartungen der vielen Gäste finden, die die Thomaskirche als Stätte der Musik und als kulturellen Kristallisationspunkt aufsuchen und den Christen, die in der Leipziger Innenstadt wohnen und - in den Gottesdienst und Motetten - Gemeinde erleben wollen." Christian Wolff wurde in Düsseldorf geboren und war nach dem Theologiestudium in Wuppertal und Heidelberg bis Anfang 1992 Pfarrer in Mannheim. Seit März 1992 übt er nun das Amt des Thomaspfarrers aus. "Ich kam zur Thomaskirche wie die Jungfrau zum Kind" erklärt der mit einem blau karierten Hemd und einer dunkelblauen Hose bekleidete Christian Wolff lächelnd. Denn nur durch Zufall hatte er im September 1991 die Ausschreibung der Pfarrersstelle der Thomaskirche im deutschen Pfarrerblatt gelesen. "Damals fühlte ich mich in Westdeutschland nicht mehr wohl - Europa war einem radikalen Wandel unterworfen, aber in den alten Bundesländern ging das Leben so weiter, als wäre nichts geschehen. Ich empfand es als aufregend, im Inneren einer Stadt zu arbeiten, wo sich die tatsächlichen Veränderungen vollziehen und die Weichen für die Zukunft gestellt werden." Ein weiterer Grund nach Leipzig zu wechseln, war auch seine Vorliebe für die Musik Bachs. Seit 1992 sieht er seine Aufgabe nun darin, den Menschen in Leipzig die Bibel "verständlich zu machen. Für mich sind die "Touris", die nur wegen dem Thomanerchor kommen, genauso wichtig wie die Gottesdienstbesucher am Sonntagmorgen." Außer den Predigten stehen aber auch noch Konfirmationsunterricht für Jugendliche, Taufunterricht, Gesprächskreise, Kirchenvorstandssitzungen, Unterricht in der Thomaskirche und Sprechstunden auf dem Programm.

Heute kann Christian Wolff sagen, dass er den Wechsel in die neuen Bundesländer nie bereut hat. Dies liegt natürlich auch daran, dass er von seiner Gemeinde sehr gut aufgenommen wurde und nie als Wessi geächtet wurde. Hinzu kommt noch " das Leipzig eine wundervolle Stadt ist, in der das Leben pulsiert und die inzwischen eine große Lebensqualität aufweist". Zu den Gottesdiensten am Sonntagmorgen kommen häufig bis zu 500 Personen, darunter befinden sich auch viele Japaner, Amerikaner, Engländer, Italiener und Franzosen. "Das ist schon eine besondere Herausforderung, vor so vielen Menschen zu predigen und außerdem ....". Christian Wolff schiebt seine Brille zurecht und schmunzelt "und außerdem haben die Menschen eine große Erwartung an die Ansprachen." Vor allem wenn die Menschen ratlos und aufgelöst sind, möchten sie etwas wesentliches hören. Unterstützt wird Christian Wolff zur Zeit durch die Praktikantin Janine Knoop, die ihm beim Austeilen des Abendmahls hilfreich zur Hand geht. Besonders voll ist die Thomaskirche zur Christvesper am Weihnachtstag. Dann reichen selbst die 1600 Sitzplätze nicht mehr aus. Doch auch der berühmten Thomaskirche, deren Unterhaltung jährlich 180 000 € kostet, fehlen die finanziellen Mittel. Deshalb wurde im März 1997 der Verein Thomaskirche - Bach 2000 gegründet.

So konnte die Thomaskirche in den vergangenen Jahren umfassend restauriert werden. Seit dem Sommer 2000 erstrahlt der Chorraum, mit der bronzenen Grabplatte, unter der seit 1950 die sterblichen Überreste von J. S. Bach liegen, nun wieder in neuem Glanz. Erneuert wurden außerdem die gesamte Süd- und Nordfassade, das Kreuzrippengewölbe im Langhaus und der südliche Thomaskirchhof. Im Jahr 2012 werden die Thomaskirche, die Thomasschule und der Thomanerchor ihr 800 jähriges Bestehen feiern, ob Pfarrer Christian Wolff dann allerdings noch in Leipzig tätig sein kann, weiß heute noch niemand so genau. Denn seit seinem Amtsantritt 1992 ist er beurlaubter Pfarrer der badischen Landeskirche. Diese Beurlaubung läuft im Februar 2005 aus, dann wird sich entscheiden, ob Herr Wolff in die badische Landeskirche zurück geht oder von der sächsischen Landeskirche ganz übernommen wird. Pfarrer Christian Wolff würde jedenfalls auch nach 2005 noch gerne an der Thomaskirche tätig sein, es bleibt also abzuwarten, ob die sächsische Landeskirche dem zustimmt. "Solange die Thomaskirche Stätte gelebten Glaubens bleibt, in der der zweifelnde Thomas genauso Platz hat wie der bekennende Petrus, der ahnungslose, nicht getaufte Jugendliche genauso wie die treue Besucherin der Bibelstunde, der Obdachlose genauso wie der Sponsor kirchenmusikalischer Veranstaltungen, wird die Kirche das sein können, wonach viele Menschen sich sehnen: ein Ort mitten in der Stadt, gebraucht von Menschen, die nach Trost und Wegweisung suchen."
-Katja Harder-
Gustav-Hertz-Gymnasium
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